Als die größte Fastfood-Kette der Welt im Jahr 2010 erstmals den Veggie-Burger einführte, war das mediale Echo enorm. Und die großen Blätter skandierten: „McDonalds lockt Frauen mit Veggie-Burger“ (Spiegel) oder „Mc Donalds bietet jetzt auch Vegetarier-Essen an“ (Welt). Dass das Echo der Medien so groß ausfiel, lässt sich im Rückblick der Geschichte nur damit erklären, was das Vorgehen des Branchenprimus seinerzeit bedeutete: eine Zäsur.

Die heilige Allianz von Brötchenhälften und Bulette war endgültig gebrochen. Und auch wenn die Existenz des Veggie-Burgers allein ein Ausrufezeichen setzte, war vegetarisches Essen zu diesem Zeitpunkt alles andere als cool, wie sich den zitierten Titeln entnehmen lässt. Veggie Food – das schien etwas für Frauen und Vegetarier, im wahrsten Sinne des Wortes eine Angelegenheit für den Tellerrand. Von dieser Haltung kann acht Jahre später jedoch keinesfalls mehr die Rede sein.

Im Gegenteil: Unlängst verkündigte der jüngste von der Lebensmittelzeitung herausgegebene Foodreport, dass das Jahr 2018 für das Gemüse zum Ende der Beilage werden würde. Und wer die Ausführungen jener Studie genauer betrachtet, liest darin weniger die wilden Spekulationen eines Horoskops als vielmehr die Zeichen unserer Zeit: Das Gemüse, einst ewiger Nebendarsteller des Fleischs, spielt erstmals eine kulinarische Hauptrolle.

Ob der Falafel-Rollo im Schnellimbiss, die mit Bulgur gefüllte Aubergine im Bistro oder die Kürbisravioli beim Edel-Italiener – was sich früher allenfalls unter den sogenannten Side Dishes auf der Speisekarte wiederfand, ist mittlerweile fester Bestandteil der Mains geworden. Eine Beförderung freilich, die in ihrer Bedeutsamkeit nicht unterschätzt werden darf.

Denn wo früher die Auswahl der Gerichte Rückschlüsse über Geschlecht und Gesinnung erlaubte, hat der wortwörtliche „Main“-Stream des Gemüses zum Aufweichen eben jener Distinktionen geführt. Wenn man nicht gerade mit seinen Fussball-Kumpeln zum Griechen geht, wird man heutzutage nicht mehr belächelt, wenn man sich mal veggie oder vegan gönnt.

Und das vollkommen zurecht. Denn so sehr die steile Karriere des Gemüses auch von tier- oder umweltethischen Diskursen begünstigt wurde, sie hat sich die Hauptrolle auf den Karten aller Küchen vor allem deshalb verdient, weil sie schlichtweg eine erfrischende, überzeugende und verdammt leckere Figur abgibt.

Diese Kolumne erscheint in der Wirtschaft in Bremen.