Hawaii, ist das dein Ernst?“„Doch, doch, glaub mir. Das wird so kommen!“ Es war eines dieser Abende, wie ich sie liebe: ein ausgedehntes, leckeres Essen, gefolgt von einem Wechselspiel von Blicken in leere Cocktail-Gläser und in die kulinarische Glaskugel. Ich genieße solche Abende entspannter Gespräche mit Gastronomen – unter denen allein ich oftmals die einzigen Verrückten finde, mit denen man, wenn die letzten Gäste gehen, noch stundenlang über Food und Foodtrends sprechen kann. Darum ging es nun auch diesmal wieder – und ich war über Hawaii als Watch out für 2018 mehr als erstaunt.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerlei Vorstellungen von dieser Insel im Pazifik – aber keine ging auch nur in die Nähe des Gedankens, dass Hawaii die Brutstätte eines neuen Hypes sein könnte. Subry, Ladeninhaber vom Jaya, verteidigte seine Ahnung jedoch vehement. Weder er noch ich hatten bis hierhin allerdings von jenem Schlagwort gehört, das einige Monate später tatsächlich in aller Munde sein sollte: Poke.

Nein, hier geht es nicht um einen Facebook-Stupser oder ein Update zu Pokemon Go. Die Rede ist von jenem hawaiianischen Fischsalat, der auf der Insel den Status eines Nationalgerichts hat. Poke, was übersetzt so viel wie „in Stücke schneiden“ bedeutet, ist nach dem Hype in den USA seit einigen Monaten auch (und bedauerlicherweise bisher nur) in deutschen Metropolen in aller Munde. Als meine Frau vor einigen Wochen nach Hamburg fuhr, drang ich sie, mir eines jener viel umsagten Poke Bowls mitzubringen. Treu, wie sie ist, brachte sie mir eine Portion mit. Ich öffnete die Verpackung fand allerlei Würfel von rohem Lachs, einen Haufen Reis sowie diverse frische Zutaten wie Avocado, Frühlingszwiebeln, Rotkohl, Granatapfelkerne, Ingwer und einem Rote-Beete-Dressing. Sah schon mal appetitlich aus. Und nach dem ersten Bissen verstand ich all dieses Gerede darum sofort.

Bei Poke steckt nämlich etwas wesentlich Tiefgreifenderes hinter als die Verschmelzung japanischer mit westlich-amerikanischen Kocheinflüssen. Es geht um die Begegnung zweier kulinarischer Großtrends, namentlich die Lust zur gesunden Ernährung und die Sehnsucht nach exotischen Küchen. In Poke bilden sich beide Bedürfnisse in einer perfekten Symbiose ab. Und man kann in unser aller Interesse nur hoffen, dass wir diesen Trend auch bald in Bremen begrüßen dürfen. Am frischen Fisch wird’s jedenfalls nicht mangeln.

 

Diese Kolumne erscheint in der Wirtschaft in Bremen.