Kurz nach der Eröffnung erzählte mir Julia, dass ihr Kaffee ein Ort zum Wohlfühlen sein solle. Wenn man heute, 11 Monate später, ihr Lokal betritt, ist es in der Regel voll und man darf annehmen, dass sie kurz vorm einjährigen Jubiläum ihr Ziel erreicht hat. Zeit also zum Gratulieren – aber auch Staunen. Denn:
 

„Sich in einem Umfeld hipper Kaffeespots in solcher Kürze zu behaupten, ist schon eine Errungenschaft. Sich dabei aber so schnell einen Namen zu machen wie Julis Café hat aber noch mal eine besondere Qualität.“

 
Wenn man nun sucht, was die hippe Szene an diesem hippen Café so sehr schätzt, dass es nach weniger als zwölf Monaten schon stadtweit bekannt und beliebt ist, dann wäre es ein Leichtes, beim so schlicht daherklingenden Lokalsnamen zu beginnen: der Kaffee. Dass nicht nur Juli ihn liebt, steht außer Frage.

 

Viele mögen ihn und es heißt, dass er herausragend sein soll. Allein, ich kann hier leider nicht mitreden, weil die Kaffeekunst leider eine Genussform ist, die mir nie offenbart wurde. Meine Anlässe stützen sich aber auf andere Elemente. Und interessanterweise hier gar nicht mal so sehr auf das geschmackliche.

 
Klar ist jenes am Ende stets das entscheidende Maß, das über Loblied oder Abgesang entscheidet. Manchmal sind die wichtigsten Kriterien jedoch jenseitige. Bei Juli liebt Kaffee staune ich nämlich weniger über das offensichtlich Lobenswerte, sondern zuallererst über das umgesetzte Konzept. 
 
Vom sorgsam aufeinander abgestimmtem Ex- und Interieur bis hin zur klar linierten Speisekarte: alles ist bis aufs kleinste Detail bedacht. Das Lokal ist nichts weniger als ein perfekt in die Realität umgesetztes Pinterest-Album.
Und die Karte ein minutiös von A bis Z bedachtes Menü. Der Joghurt von Dehlwes, die Eier aus Varrel, das Landbrot von Schroeder – alles ist frisch, regional und nach Möglichkeit in Bio-Qualität oder vegan. Und die Brote sind gegen Aufpreis glutenfrei erhältlich. 
 
Mal ehrlich, gibt es etwas, woran hier nicht gedacht wurde? Die konsequent eingehaltene Linie nährt die Hoffnung, dass auch der kulinarische Stand hoch ist. Und um das nach zwei vorherigen Besuchen bestehende Vorurteil noch einmal zu überprüfen, ging es vor Kurzem wieder ans Werk.
Bei Juli könnt ihr dienstags – samstags bis 13 Uhr und sonntags bis 15 Uhr frühstücken. Neben hausgemachten Müsli-Mischungen in den Varianten Mandel-Zimt und Erdnuss-Schoko könnt ihr aus einer Reihe von ansprechenden Frühstücksbroten wählen. 
 
Während wir beim vorletzten Mal die Variante „Sydney“ mit geröstetem Landbrot, hausgemachter Avocadocreme, frisch mariniertem Feldsalat, pochiertem Ei und geröstetem Panko mit schwarzem Sesam probierten (schmeckte so gut, wie es sich liest!), sollte es diesmal ein Neuling auf der Karte sein: das „Tel Aviv“ Brot. 
 
Ein absoluter No-Brainer für alle, die Hummus lieben und ihren Appetit stillen wollen. Das üppig mit hausgemachtem Tomaten Hummus bestrichene Landbrot korrespondiert nicht nur optisch wunderbar mit den Gurkenstreifen und den Kürbis- bzw. Walnusskernen.
 
Auch fürs Gaumenspiel ergeben sich durch die Frische und Knackigkeit schöne Kontrastelemente zum weichen, leicht fruchtigem, aber gewichtigem Hummus-Aufstrich. Schöne Komposition, die jedoch etwas mehr Salz vertragen hätte!
Und wenn man schon mal hier ist, dann kann man den Besuch eigentlich nicht ohne einen süßen Abschluss beenden. Tückisch, wie die Vitrine mit allerlei Kuchenvariationen direkt neben dem Tresen platziert ist. Ein Blick zu lange – und man ist fällig. Und wir gleich dreifach. 
 
Zum einen bestellten wir die Brownie Tartelette, getoppt mit Erdbeerstückchen. Auch hier wieder eine Weide für Augen und Geschmack. Und auch wenn man die restlichen Auslagen betrachtet: man ahnt, dass Backwaren eine besondere Qualität in diesem Kaffee sind. 
Und natürlich mussten noch zum Schluss die neuen Nicecreams probiert werden. Wir orderten direkt einmal von jeder Sorte: Mango-Dattel-Cashew, Erdbeeren und Schoki-Banane.
 
Was schon vor dem Probieren gefällt: alles ist vegan, zuckerfrei und hausgemacht. Was nach dem Probieren gefällt: das Gefühl, gesundes Eis ohne geschmacklichen Verzicht gegessen zu haben. Eine tolle Bereicherung für den Sommer, die ihr im Lokal, im neu eröffneten Garten oder auch to go genießen könnt. 
 

Fazit

“ Nicht nur Juli liebt dieses Café“