„Entweder, du kannst nach drei Tagen Ananas schneiden oder du bist raus.“

Das waren die Worte, mit denen der Küchenchef eines vor vielen Jahren mal angesagten Bremer Restaurants mich einst zum Probearbeiten begrüßte.

Instinktiv waren mir zwei Sachen bewusst: dieser Typ wird niemals eine zweite Karriere als Motivationsredner starten – und ich muss jetzt verdammt nochmal Gas geben.

Also schälte ich die Ananas wie ein Besessener, schnippelte sie mustergültig in kleine Würfel und wähnte mich schon in dem Lob, das ich für meinen Eifer bekommen würde. Bis ich mir nach zehn Minuten in die Finger schnitt.

Angesichts dieser Peinlichkeit tat ich das, was in den Augen eines 17-jährigen Jünglings das einzig Richtige schien. Ich versuchte, die blutende Verletzung zu vertuschen.

Natürlich flog ich auf und wurde zurecht vor versammelter Mannschaft ausgelacht. Durch den dilettantischen Fehler wurde mir allerdings die Ehre einer Aufgabe, von deren Übung ich noch heute ungemein profitiere.

Ich durfte die Mise en Place für die Postenköche vorbereiten.

Mise-en-Place ist ein französischer Ausdruck, der „alles an seinem Platz“ bedeutet. Von den richtigen Werkzeugen und Geräten über die passenden Zutaten und Gewürze bis zu den Ölen: bevor das Abendgeschäft losgeht, müssen alle später notwendigen Utensilien unmittelbar am Platz sein, damit ein flüssiger Ablauf gewährleistet werden kann.nUnd so geht jeder anständige Chef de Partie seine Schicht gedanklich erst einmal durch, um sein Küchenarsenal optimal vorzubereiten.

Als ich später beim Abendgeschäft beobachtete, wie die Stunden zuvor von mir noch mühevoll in Plastikflaschen umgefüllten Öle blitzschnell geleert, die vorgekochten Pastas reihenweise verarbeitet und die Butterberge a la minute in Pfannen zerlassen wurden, verstand ich, wieso Anthony Bourdain die Mise en Place einmal als Religion für jeden guten Postenkoch bezeichnete.

In ihr liegt das Heil für jeden Koch und die Hoffnung auf ein rundes Abendgeschäft.

Elf Jahre und viele Intermezzi als Küchengehilfe später wende ich dieses Vorbereitungsprinzip noch immer an, allerdings als Lehrer in der Schule.

Bevor der Unterricht beginnt, entfalte ich alle für die Stunde notwendigen Materialien sorgsam auf meinem Schreibtisch und genieße einen flüchtigen Moment der Entspannung, bis mit dem Klingelläuten der Kampf gegen die Horde beginnt.

Vertrauen Sie mir, diese kleine, ein- bis dreiminütige Praxis entspannt ihre Arbeit um ein Vielfaches!

Und es scheint mir, dass in einer Zeit, wo sich viele von uns zu Beginn des Arbeitstages direkt kopfüber in E-Mails stürzen und endlosen To-Do-Listen hinterherjagen, die mit der Mise en Place verbundene Übung der Einkehr eine kulinarische Lehre ist, die in der Pop-Psychologie vollkommen zu Recht eine Renaissance erlebt.

Es ist leicht einzusehen, wie Sie diesen Ansatz wiederholen können, wenn Sie zu Hause zu Abend essen, Ihren Schreibtisch einrichten oder ein Bücherregal von Ikea zusammenstellen usw. Viel verlieren können Sie nicht: also probieren Sie es aus!