„HIER GIBT ES ECHTES ESSEN“

Ewig wurde es mir ans Herz gelegt – und endlich habe ich es hierhin geschafft: Marie Weser. „Echtes Essen“ soll es in diesem Lokal in Huckelriede geben, dessen Konzept in besonderer Weise einzigartig ist.

Das Restaurant, welches als Inklusionsbetrieb vom Martinsclub geführt wird, soll nämlich lebendiger Treffpunkt des Stadtteils sein – ob als Kaffee-Pause, zum Kuchenessen oder für den Mittagstisch.

Letzteres zog und bewog uns vorige Woche hierher. Und weil zufälligerweise Zukunftstag war, entpuppte sich unsere Bedienung als aufgeweckter und aufmerksamer Jüngling. Natürlich stellten wir auch ihm die Frage, was er uns empfehlen könne.

Und als er uns selbstsicher das Risotto ans Herz legte, waren es mehr Herz und  Pädagogik als echte Begeisterung, die uns zur Anwahl dieses Gerichts bewogen. 

Ich liebe Risotto ebenso wie alle Breigerichte nicht unbedingt. Aber ich liebe Vertrauen – vor allem in die leuchtenden Augen dieses Kindes, der besagtes Gericht höchstwahrscheinlich noch nicht einmal selbst probiert hatte. 

Sei es drum. Ein angenehmer Anlass, um die causa Risotto mal wieder neu aufzurollen. Besagt-berüchtigtes Gericht wurde neun Minuten später serviert. 

Das Risotto stellte sich als eine überaus üppige Portion heraus, über die der Fisch der Woche drapiert lag: ein kross auf der Haut angebratenes Doradenfilet, dessen Inneres beim Filettieren noch schön glasig-weiß war. Gefällig.

Das Risotto schmeckte insgesamt gut. Es war, wie der berühmte Koch Sante de Santis eins forderte, schön schlonzig. Der Mittelkornreis hatte den Jordan der Bissfestigkeit allerdings schon einen Tick überquert.

Immerhin war dafür das Gemüse noch schön knackig. So war der Gesamteindruck ein guter – und für Liebhaber des Gerichts gar besserer. 

Als Nächstes wollten wir die Spaghetti mit hausgemachtem Pesto probieren – diese war blöderweise jedoch ausverkauft. Deshalb wählten wir alternativ die Ofenkartoffel mit Hähnchen.

Dasselbe war exakt so, wie man es sich vorstellt. Während die Ofenkartoffel und die reichlich ausgeteilte Portion Kräuterquark wunsch- und erwartungsgemäß mundeten, war das ansonsten gut gewürzte Brustfilet leider doch eine deutliche Spur zu durch. Der Beilagensalat war einfach gehalten, hatte indes eine schöne Vinaigrette. 

„DIE FALSCHEN GERICHTE AM RICHTIGEN ORT“

Lasst mich ehrlich sein: Die ersten beiden Essen waren wohl die falschen Gerichte am richtigen Ort. Das nächste und letzte Gericht war jedoch nicht nur das leckerste von allen.

Es schien uns auch die Essenz dieses Ladens wie kein anderes abzubilden. Die Linsensuppe. Der Klassiker des Hauses.

Diese Suppe zeigte uns, wofür die Marie Weser im Ganzen stehen will. Das Gericht ist so echt, wie es nur geht. Die Konzeption in keiner Weise dem Versuch unterstellt, einen besonderen Twist vornehmen zu wollen, um Köchin oder Konzept zu profilieren.

Eine klare Brühe mit feinem Aroma, Suppengemüse, frischen Kräutern, klassische Linsen und deftig-würzigen Mettenden. Nein – diese Linsensuppe ist nicht mehr oder weniger als eine, die ich vor zwanzig Jahren schon einmal im Hort gegessen habe.

Aber vielleicht ist wohl dies das Geheimnis: dass sie so ungewöhnlich gewöhnlich ist und jeder Löffel wie eine Erinnerung schmeckt. Ein Teller Nostalgie.

Diese Interpretation überzeugt mich – und beantwortet die Frage, weshalb ihr unbedingt mal herkommen solltet. Das Marie Weser ist ebenso echt wie einfach – und man fühlt sich einfach wohl.

 Fazit

„EIN LOKAL MIT VIEL SEELE“