„UNTER KENNERN EINE LEGENDE“

Sagen wir es, wie es ist: die Mommies Corner ist nicht etwas für jeden. Wenn ihr ein schickes Lokal sucht, das für ein Date passt, eine Räumlichkeit, die sich für ein Geburtsagsdinner eignet oder sonst ein schickerer kulinarischer Anlass euch zieht: kommt nicht hierher. 

Man sollte hierherkommen, wenn man aufrichtig daran interessiert ist, jene traditionell zubereiteten westafrikanischen Speisen zu probieren, für die Mommie unter Kennern berühmt ist.

Eingeweihte schwören auf Mamas Küche – und auch ich will hier mein Bekenntnis ablegen und erklären, warum Mommies eines meiner absoluten Lieblingslokale in Bremen ist. Hier die Review zum jüngsten Besuch, nachdem die Speisekarte gerade frisch erneuert wurde.  

Als Vorspeise bestellten wir den neuen Avocado Salad, der sich letzen Endes als schlichtweg um Avocado ergänzte Variation der klassischen Salatbeilage handelte. Lecker als Ergänzung zu einer Hauptspeise, aber nicht als eigenständiges Gericht.  

Es war jedoch die zweite Neuerung auf der Speisekarte, worauf sich all meine Vorfreude richtete: Fried Rice. Ein Gericht, das wir allzu gut von asiatischen Schnellimbissen kennen – oder eben zu kennen glauben. Aber Fried Rice ist eben nicht gleich Fried Rice. 

 „FRIED RICE IST NICHT GLEICH FRIED RICE“

Es sind Gerichte, die viel mehr abbilden als die Kombination bestimmter, meist übrig gebliebener Zutaten. Gerichte, die sich im Laufe einer Geschichte kultiviert haben und die Tradition einer Küche formten, die wir heutzutage als Kost für die Seele lieben. Soulfood. An dieser Stelle sei jedem die jüngste Chef’s Table Staffel auf Netflix empfohlen, in der es eine eigens dem Fried Rice gewidmete Folge gibt. 

Und so ein Gericht wollte ich hier probieren. Wir erhielten so denn einen übergroßen Teller, in dessen Mitte eine größere Portion von heißem, gebratenem Reis, Karotten, Eiern und Garnelen türmten. Anders als bei asiatischen Lokalen wird hier nicht erst alles frisch kombiniert und gebraten, sondern türmt schon vorher auf einem großen Fried-Rice-Haufen, von dem auf Bestellung eine Portion herausgenommen und mikrowelliert wird. Man kann dies gewöhnungsbedürftig finden – oder eben typisch wie bei Mommie.

Der Geschmackstest wird nach dem ersten Bissen beendet: es schmeckt. Sogar vorzüglich. Und man vermisst begleitende Saucen oder Dips an keiner Stelle. Der Bratreis genügt sich selbst. Dank der saftig angebratenen Garnelen und dem herrlich süß notierten Karottenstücken. Vor allem aber, weil hier nicht sparsam mit Öl und vermutlich Maggi-Würze gekocht wurde. 

Wenn ich aufzählen müsste, auf welche Gerichte ich in meinem Leben nicht verzichten könnte – das bei Mommies angebotene Beef wäre garantiert dabei. Deshalb komme ich seit fast zehn Jahren mindestens einmal im Monat hierher. 

Man kann es wahlweise mit weißem oder gelben Reis, der eigentlich roter Reis ist und vor allem in Nigeria und Ghana unter Joloff berühmt ist, bestellen. Die zuvor frittierten Rindleischstücke werden in einer Portion Tomatensauce serviert. Dazu gibt es eine einfache, aber reichlich umölte Salatbeilage.

Was ich an diesem Gericht so liebe, ist die ungemein hohe Geschmacksdichte ihrer Bestandteile: den Reis könnte man problemlos allein genießen und das zugegeben nicht ganz leicht zu kauende und für den ein oder anderen zäh anmutende Fleisch hat ein intensives Aroma.

Das Highlight bildet für mich jedoch jene so tomatig schmeckende Tomatensauce, die aus einer größeren Portion in einem tiefen Bräter entnommen wurde, der den ganzen Tag vor sich hin köchelt. 

Auf Wunsch erhält man hier auch übrigens eine scharfe Sauce, die eigentlich als Anti-Arznei geführt werden müsste und nur den höllischen Gewässern des Hades entsprungen sein kann. Man muss wirklich einen sehr abgebrühten Gaumen haben, um diese Sauce aus pürierten Chilis, Öl (und Sambal Oelek?) genießen zu können.  Aber ich liebe sie und kriege nie genug von ihr. 

Zu Guter Letzt bestellten wir noch eine Portion der Fufu genannten, gestampften Yamm- oder Maniokwurzeln mit frittiertem Tilapia. Der Fisch liegt – man kann dies appetitlich finden oder nicht – schon vorfrittiert in der Auslage und kommt auf Bestellung erneut in die Fritteuse, um heiß und fettig serviert zu werden.

Dieses Gericht zählte schon in meiner Kindheit, wenn bei Freunden probiert, nicht zu den Lieblingen. Caro jedoch mochte es sehr. Also wieder mal eine Geschmacksfrage. 

Lasst mich zum Ende kommen, das – wie schon erwähnt – voreingenommen ist.  Mommies Corner ist und bleibt DIE Institution für authentische, westafrikanische Küche. Über Geschmack und Ambiente lässt sich hier sicherlich streiten, wohl aber nicht darüber, dass man ein authentisches Erlebnis sondergleichen bekommt. 

 Fazit

„MEHR SOULFOOD GEHT NICHT“