Wenn das Auge mitisst, ist schon vorab viel gewonnen. Roter Teppich, stilvolle Wandgemälde und sehenswerte Tafelarrangaments mit höchst bequemen Sitzmobiliaren. Keine Frage: Schon beim Betreten des indischen Restaurants Taj Mahal fühlt man sich sofort wohl. 
 
Das setzt sich fort, als wir trotz des noch zu später Mittagsstunde äußerst vollen Lokals von der sehr freundlichen Bedienung ruhig in Empfang genommen und auf einen der freien Plätze gewiesen werden.
 
Keine Frage: Gastfreundlichkeit wird hier groß geschrieben. Und wir sind gespannt: setzt der positive Ersteindruck sich auch beim Essen fort? 
Zuerst bestellten wir den Klassiker indischer Mittagsangebote. Das Thali ist eine Auswahl verschiedener Gerichte, die in kleinen Metallschälchen auf einem runden Tablett mit Basmati Reis serviert werden.
 
Vorweg gab es mit der Dal Soup eine klassische Vorspeise, die man so fast in jedem indischen Mittagstisch erhält. Dieselbe wird als Linsensuppe nach „indischer Art“ beschrieben – welche jedoch, wenn man mit ihr exotische Aromen und kräftigen Geschmack verbindet, insgesamt fehlte. 
 
Als Mains wurden drei Currys serviert: zum einen das Chicken Tikka Masala, bestehend aus marinierter und im Lehmofen gegrillter Hähnchenbrust, welche mit einer aus Tomaten, Ingwer und verschiedenen Gewürzen verfeinerte Tikka Sauce. Zum weiteren gab es mit dem Beef Jalfrezi mildes Curry aus Tomaten, Zwiebeln und Paprika mit würzig geschmortem Rindfleisch. 

 Solider Auftakt

Und zu guter Letzt mit dem Navratan Curry ein Korma, das als vegetarische Variante zum britischen Korma – bestehend aus verschiedenen Gemüsen, Rosinen, Cashewkernen und gerieben Mandeln. Als Beilage gab es duftenden Basmati Reis mit fluffig gebackenem und äußerst leckerem Naan Brot sowie der Raita genannte gewürzte Joghurt mit Tomaten, Gurken und Zwiebeln. 
 
Das Dreierlei an Currys war solide – am besten gefiel uns das pikant gewürzte Tikka Masala sowie beim Navratan Curry das Zusammenspiel des knackigen Gemüses mit den süßen Aromen und der gut abgeschmeckten Sauce. Insgesamt fehlte uns jedoch der letzte Kick. 
Während Vindaloos eher für Freunde höhere Schärfegrade zu empfehlen sind, eignen sich Kormas aufgrund der milden Sauce aus Gewürzen, Sahne, Kokoscreme und geriebenen Mandeln idealerweise für Curry-Einsteiger.
 
Anstelle eines klassischen Chicken Kormas probierten wir hier mal die Variante mit Scampis. Die gelbe, kräftige Sauce war wie zu erwarten schön dick und lud geradezu danach ein, mit dem Naan Brot in die warme Curryschale einzutauchen. 

 Gutes Korma

Wie zu erwarten war der Geschmack vom milden Kokosaroma geprägt, in Spuren sogar pikant, was uns in der Form gut gefiel. Da die Sauce insgesamt jedoch sehr mild war, gingen die ebenfalls sehr dezent notierten Scampis eher unter.
 
Deshalb würde ich künftig eher eine Korma-Variante empfehlen, wo der Eigengeschmack der Fleisch oder Gemüse Beilage deutlicher durchscheint (z.B. Navratan Curry).
Die meisten kennen und reduzieren die indische Küche auf eine Kombination von Currys und Beilagen. Wir ahnen, dass es eine Welt jenseits von Tikkas und Kormas gibt – und landen doch allenfalls bei einem Tandoori-Gericht, das wiederum „nur“ aus im Lehmofen gegarten Fleisch besteht, welches zuvor in einer speziellen Masala-Joghurt-Kombination mariniert wurde.
 
Klar, die sinnlichen Verlockungen kräftiger, bunt farbener Currysaucen auf der einen oder zischender Grillplatten auf der anderen Seite sind sehr groß.
 
Und deshalb verwundert es nicht, dass der Blick auf die Karte verschränkt ist – und ein Klassiker der indischen Küche nie aufs Podest der Aufmerksamkeit kommt: Biryani. Ein herzhaftes Reisgericht, das unter zahlreichen regionalen und nationalen Varianten in der asiatischen Küche bekannt und beliebt ist.

 Biryani ist ein Hidden Champ der indischen Küche

In Deutschland sind Biryanis (zumindest noch) nicht wirklich populär. Vielleicht, weil wir ein generell Saucen verliebtes Völkchen sind und das Reisgericht oft zu trocken für unsere Gaumen scheint.
 
Vielleicht und mitunter als Folge, weil der Stellenwert der Biryani-Zubereitung in vielen indischen Restaurants nicht unbedingt die größte Priorität hat und daher „aus Pflicht“ mal ebenso mit angeboten wird.
 
Gewiss aber auch, weil wenige von uns Biryani als Gericht schlichtweg nicht probieren. Deshalb haben wir hier das Biryani bestellt. Um dem Hidden Champ eine Chance zu geben und mal wieder ins verdiente Licht zu rücken.
 
Schaut euch das Gericht bitte mal an! Diesen goldgelben Reisturm, über ihm großzügig Mandelsplitter und gehackte Petersilien verteilt. Welch stille Schönheit! Und wenn man auf die inneren Geschmacksschönheit schaut, fällt vor dem ersten Bissen anhand der Komposition des Gerichts schon auf, wie viel Raffinesse in diesem Gericht eigentlich steckt.
 
Erst in Butter Ghee angebratener und anschließend gekochter und dadurch so besonders aromatischer Reis, saftiges und in einer delikaten Würze marinierte Hähnchenfleisch und dazu als Bisselement Mandel- und Cahsewnüsse sowie Rosinen für die Süße. Die mitgereichte Raita lockert das Gericht nochmal auf – ganz ohne Cremigkeit muss ja nicht sein.  
Wenn man all diese Geschmackspaletten nun gut bespielt, kann eigentlich nur ein entsprechendes Ergebnis herauskommen. Und in diesem Fall war es auch so. Das Biryani hier schmeckte uns und die verschiedenen Geschmackssensitäten kamen im Mund in wunderbarer Weise zusammen. Kleiner Kritikpunkt: das Hähnchenfleisch war etwas zu trocken. 
 
Was ist nun der Weisheit letzter Schluss? Sämtliche von uns probierten Gerichte deuteten das, was man an der indischen Küche zu lieben ist, an. Geschmacksexplosionen hatten wir fairerweise jedoch nicht.
 
Dennoch kann man dieses überaus gastfreundliche Lokal sehr gut gerade denjenigen empfehlen, welche die indische Küche neu kennenlernen möchten. 

  Fazit

„Wenn ihr im stilvollen Ambiente dinieren und (erstmals) in die indische Küche eintauchen wollt, ist das Taj Mahal eine gute Wahl“