Und, wissen Sie schon, wem Sie am Sonntag Ihre Stimme geben? Falls ja, dann gratuliere ich Ihnen. Falls nicht, sind Sie immerhin in guter Gesellschaft.

Wenn man den aktuellen Prognosen glauben darf, ist die anstehende bremische Bürgerschaftswahl nämlich so offen wie lange nicht. Der Magen der großen Menge scheint unsicher.

„Was es am Ende wird: kleine Zünglein könnten den Unterschied machen“

Und gerne würde ich diesmal etwas länger über diese kleinen Zündlein nachdenken und das diesjährige, für manch einen unter uns gewiss vorhandene Entscheidungsproblem aus kulinarischer Perspektive betrachten – zeigt sich doch, dass wir die gastronomische Qual der Wahl nicht nur viel häufiger als die politische erfahren.

Zwischen dem Besuch eines Wahllokals auf der einen und einem Restaurantlokal auf der anderen Seite lassen sich für alle Unentschiedenen außerdem einige interessante Parallelen ziehen. So scheint mir, dass es grundsätzlich zwei Typen von Wählern gibt: 

„Menschen- und Menü-Wähler“

Da sind die einen, welche die Karte der Angebote durchstreifen (Wahlparteien), bei den bevorzugten Kategorien hängen bleiben (Parteipräferenzen) und sich die zwei bis drei besten Gerichte auspicken (Wahlversprechen), von denen wiederum die finale Wahl abhängt.

Dann wiederum gibt es jene, welche sich am Kellner orientieren (Spitzen- und Wahlkandidaten) und seinen Empfehlungen blind Folge leisten. Nun denn, welche Herangehensweise könnte für alle diesjährig unentschiedenen Wahlgänger die richtige sein?

Tatsache ist, dass ich die besten Bauchentscheidungen zumeist dann getroffen habe, wenn ich den Empfehlungen der Kellner gefolgt bin. Das mag wahrscheinlich weniger darin liegen, dass Sie mir häufiger bessere Gerichte empfohlen hätten als ich selbst in der Karte gefunden hätte.

Vielmehr lag es daran, dass ich mich schlichtweg an die von Kellnern empfohlenen Gerichte besser erinnere. Und mir scheint, dass sich hierhinter ein ebenso schlichtes wie tiefes Geheimnis verbirgt. Und zwar, dass Menschen beeindruckender sind als Inhalte. 

Ob ein Kellner, der uns ein auf der Karte unbeachtetes Ravioli-Gericht empfiehlt, ein Fussball-Trainer, den wir für eine grandiose Saison am liebsten abknutschen möchten oder eben Politiker, die uns für ihre politische Agenda begeistern. 

„Wir verneigen uns nicht vor leblosen Ideen, sondern vor mitreißenden Idolen“

Das Schöne: Im Glanz ihres Erfolges reflektieren wir viel eher den unsrigen. Der Haken: wenn sie nicht erfolgreich sind, kennen wir die Schuldigen. Aber so wollen wir ja nicht denken.