Und, hat es Ihnen geschmeckt?

Wir alle haben diese Frage am Ende eines Essens schon mal gestellt bekommen. Und wenn wir nicht gerade die Klaviatur des Lobes bespielen oder aber den schlimmsten Abend unseres Lebens beklagen, spielt sich unsere Antwort zumeist doch in den Gefilden irgendwelcher einsilbigen, warmen Worte ab, die dem reichen Wortschatz unserer guten Erziehung entspringen. Wir sind halt höfliche Menschen, die sich höflich benehmen.

Was nun aber stellen die Servicekräfte mit Ihren Höflichkeiten an? Ich verrate es Ihnen: ein großer Teil Ihrer Grüße erreicht gar nicht erst die Küche. Wieso? Ganz einfach, weil ein Kellner niemals zu seinen vom Abarbeiten zahlreicher Bestellungen gestressten Kollegen gehen würde, um lauthals Lasst mal kurz alles stehen und liegen: der Gast von eben fand das Schnitzel echt solide zu rufen.

Nein, Feedback muss schon außerordentlich positiv sein, damit der Service es wagt, diese an sein Küchenteam weiterzugeben. Und wollen Sie nun wissen, wie die Köche dann reagieren? Offen gestanden: es kratzt sie allenfalls am Rande.

Köche lieben Lob auf TripAdvisor oder Google.

Es gibt da eine schöne Geschichte, die ich mal über Jamie Oliver gesehen habe, als er auf einer Italienreise die Trattoria eines Insulaners mit der Behauptung übernahm, dass er die Gäste ebenso gut bekochen könnte. Am Ende des Tages trafen sich der Besitzer und er in der Küche und zählten die schriftlichen Feedbacks der Kunden zusammen. Fast alle lobten Jamies Gerichte, nur zwei Personen hatten Beschwerden. 

Und was nun machte der Chef? Er zerknüllte die Lobzettel, schmiss sie in den Müll und legte die beiden Beschwerden in Jamies Brusttasche. Der Brite grinste nur mit einem wissenden Lächeln. Nur die negativen Kritiken zählen eben. Befreundete Gastronomen bestätigen dieses ungeschrieben Gesetz und erzählen mir regelmäßig, wie sie schlechte Online-Rezension eine ganze Woche lang verfolgen können.

Das einzig Schöne in diesem Fall ist, dass umgekehrt dasselbe gilt: Köche lieben positive Feedbacks auf Google oder Tripadvisor. Eben deshalb, weil solche Rezensionen über höfliche Gesten im Lokal hinausgehen und eines echten Aufraffens bedürfen. Da steckt echte Mühe, Reflexion und durch den digitalen Schutz der Anonymität meist auch Ehrlichkeit dahinter.

Und nun ratet mal, wozu ich euch abschließend gerne aufrufen möchte? Wenn Sie ihren Lieblingsgastronomen mal einen großen Gefallen tun möchten, dann tippen sie nicht nur zur Rechnung, sondern auch digital.