Letzten Monat war es wieder so weit: der Guide Michelin 2019 ist erschienen. Die höchste Auszeichnung, den die Topgastronomie kennt. Und zum sechsten Mal in Folge blätterte man sich auf der Suche nach einem Bremer Lokal vergeblich durch.

Meine stolzen, hanseatischen Adern begannen angesichts dieses Wertes, der in diesem Jahr angesichts 309 ausgezeichneter Gourmet-Tempel umso beeindruckender ist, sofort an zu pulsieren. Wieso bleibt im nationalen Sternehimmel unser Bundesland mal wieder als einziges ein dunkler Fleck?

Der ewig dunkle Fleck im Sternenhimmel

Um diese Frage beantworten zu können, sollte man sich zunächst einmal darüber vergewissern, was ein Stern eigentlich bedeutet. Genau genommen kann man nämlich sogar bis zu drei Sternen erhalten. Ein Stern ist demnach gleichzusetzen mit „Eine[r] Küche voller Finesse – einen Stopp wert!“ Ein weiterer Stern attestiert „Eine Spitzenküche – einen Umweg wert!“

Und wer einen dritten Stern erhält, darf sich über folgendes Siegel freuen: „Eine einzigartige Küche – eine Reise wert!“ Was Bremens gastronomische Attraktivität angeht, scheinen wir in den Augen der Michelin-Tester derzeit also weder einen Stopp noch einen Umweg und schon gar nicht erst eine Anreise wert zu sein.

Das Urteil schmeckt nicht. Allerdings: es muss uns auch nicht schmecken. Denn es verliert seine Aussagekraft just in dem Augenblick, in dem man die Ursachen dahinter ergründet. Diese führen natürlich auch zu fehlenden Großinvestoren oder Hotels, die entsprechende Ambitionen und einen langen finanziellen Atem haben.

So ticken Bremer

Vor allem aber führt die Spurensuche zu uns selbst. Platt gesagt: Die Haute Cuisine mit all ihren Finessen und Rafinessen – sie interessiert den bodenständigen Bremer nicht wirklich. Wunderbare Gerichte, die ich in Restaurants höheren Niveaus gegessen und auf Mahlzeit empfohlen habe, finden meist wenig Interesse. Umgekehrt gehen die Like-Zahlen durch die Decke, wenn ich einen einfachen Souvlaki-Spieß mit Pommes teile.

Und unsere Gastronomen scheinen dies zu wissen. Bezeichnend deshalb, dass die letzten Auszeichnungen für Bremer Sterne-Restaurants nicht etwa von den Testern aberkannt worden sind, sondern entweder die Restaurants in Folge eines Eigentümerwechsels schlossen (La Terrasse) oder Umstrukturierung freiwillig abgegeben wurde (Pades).

Und damit lautet unsere tröstende Antwort für auf den diesjährigen Michelin: Wo es keinen Griff nach den Sternen gab, auch keinen Griff ins Klo.